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Preisträger der Aktion "Sprachenfreundliche Kommune" 2004

Kategorie 1: Kerngebiet

Zweisprachiges OrtsschildNeues Fenster: Bild vergrößern 1. Preis: Gemeinde Dissen - Striesow/Dešno-Štrjažow

Preis: Tafel, Urkunde, 1.000 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die Gemeinde Dissen-Striesow/ Dešno-Štrjažow war eine der ersten, die sich zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet zugehörig erklärte und mit beispielhafter Satzung ihre Ziele verfolgte. Sie ist als einzige Kommune bekannt, die ihre Ortsteile nur mit dem sorbischen/wendischen historischen Namen auch auf den Dorftafeln nennt.

Dissen-Striesow ist stolz auf die eigene Substanz in sorbischer/wendischer Sprache und Kultur. Die Gemeinde nutzt, pflegt und fordert diese auf beispielhafte Weise. Seit langem schon hat die Gemeinde Dissen dieses positive Klima zum Gedeihen der sorbischen/wendischen Sprache und Kultur geschaffen, und sie tragen es mit großem Selbstbewusstsein. Sie setzen so die Tradition von Kito Pank und Bogumiäwjela fort, die als Dissener Pfarrer in großem Maße zum Erhalt der sorbischen/wendischen Sprache beigetragen haben. In Dissen ist die sorbische/wendische Identität in allen Bereichen zu spüren, bis hin zum Friedhof mit sorbischen/wendischen Grabinschriften. Ein Anschreiben der Briefe von der Gemeinde Dissen beginnt in sorbischer/wendischer Sprache.

Ganz besondere Akzente setzt das Heimatmuseum Dissen mit seinem Förderverein im Zusammenwirken mit der Gemeinde, der Kirchengemeinde und dem Pfarrer, mit der Domowinaortsgruppe, der Jugend und anderen Initiativen. Das zeigt überregionale Wirkung für die Förderung sorbischer/wendischer Sprache und Kultur. Eine konsequente Folge dessen ist die Bildung einer "Witaj"-Gruppe in Striesow.

Alle Initiativen der Vereine und Gruppen in Dissen, welche gemeinsam mit der Gemeindevertretung geplant und durchgeführt werden, sind Garantie für eine anspruchsvolle Dorfkultur, in der alte und neue Traditionen grundsätzlich zweisprachig zu erleben sind. In Dissen-Striesow/Dešno-Štrjažow ist die Breite und Vielseitigkeit der sorbischen/wendischen Sprache zu hören und sorbische/wendische Kultur zu erleben.

2. Preis: Gemeinde Drachhausen / Hochoza

Preis: gerahmte Urkunde, 750 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die Gemeinde Drachhausen ist nicht nur einer der Orte in der Niederlausitz mit der größten sorbischen/wendischen Substanz, was die Sprache betrifft, sondern auch ein Ort, in dem der Reichtum der Muttersprache und der Kultur dargestellt, gepflegt und von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird. Für viele ist es ein echtes Bedürfnis, sich durch die Sprache und die Kultur zu ihrer Nationalität zu bekennen. Der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Domowina-Ortsgruppe sind dabei die Initiatoren.

In der Gemeinde wird die sorbische/wendische Sprache im öffentlichen kommunalen Leben genutzt - z. B. durch den Bürgermeister bei öffentlichen Veranstaltungen oder bei Gesprächen mit Einwohnern. "Leuchtturm" im sorbischen/wendischen Leben in Drachhausen, besonders was die Sprache betrifft, ist neben der Witaj-Gruppe in der Kita und dem Chor besonders die sorbische/wendische Laienspielgruppe, die im Jahr 1998 gegründet wurde. Sie spielt konsequent Stücke in sorbischer/wendischer Sprache und konnte bei ihren drei Inszenierungen schon einige Tausend Zuschauer erfreuen - nicht nur im Ort, sondern in weiteren Spielorten in der Nieder- und Oberlausitz.

Die Theatergruppe ist ein Beispiel dafür, welche große Wirkung das sorbische/wendische Wort auf der Bühne für den Erhalt der Sprache hat. Auch das neu gegründete Ortsmuseum "Kolasko" trägt zur öffentlichen Darstellung besonders der Sprache und der Traditionen im Ort bei. Für die Jugend wurden in eigener Regie mehrere Kurse zum Erlernen der Sprache durchgeführt. Drachhausen unterstützt die sorbische/wendische Sprache auch dadurch, dass hier zentrale sorbische/wendische Veranstaltungen stattfinden (Zapust, Herbstkonzerte, Theaterpremieren).

3. Preis: Gemeinde Jänschwalde/Janšojce

Preis: gerahmte Urkunde, 500 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die Gemeinde Jänschwalde gehört zu den Zentren des sorbischen/wendischen Lebens in der Niederlausitz. Besonders in den Ortsteilen Jänschwalde Dorf, Jänschwalde-Kolonie und Drewitz sind die sorbische/wendische Sprache und Kultur im Alltag zu erleben. Dabei ist die Domowinaortsgruppe - mit etwa 150 Mitgliedern - der Initiator und Organisator bei der Pflege und dem Erhalt der Kultur und Sprache.
Die Mehrheit der Einwohner der Gemeinde steht dem Sorbischen/Wendischen positiv gegenüber. Was die sorbische/wendische Sprache betrifft, so gibt es in Jänschwalde seit einigen Jahren in der Kita erfolgreich das Witaj-Projekt, das in der Grundschule neben dem fakultativen Sorbischunterricht weitergeführt wird. An diesem beteiligt sich hier traditionsgemäß eine große Zahl von Schülern der Klassen 1 - 4.

In der Jugend, die aktiv die sorbischen/wendischen Bräuche pflegt, gab es auch Versuche, die Sprache zu pflegen. So haben die Mädchen für das Hahnrupfen sorbische/wendische Lieder eingeübt. Die drei Kulturgruppen im Ort - die Kulturgruppe der Schule, der Frauenchor und eine Blaskapelle - haben in ihrem Repertoire viele sorbische/wendische Titel. Der Chor beteiligt sich an überregionalen Projekten der sorbischen/wendischen Gesangsvereine, um sein sorbisch-/wendischsprachiges Repertoire umfangreicher zu gestalten.

Eine gute Tradition hat das Überbringen von Glückwünschen zu besonderen Anlässen älterer Bürger durch die Kinder der Kita und der Schule wieder auch in sorbischer/wendischer Sprache. In Jänschwalde finden regelmäßig sorbische/wendische Kulturveranstaltungen statt, die von den Einwohnern gut besucht sind (sorbisches/wendisches Theater, Herbstkonzerte, Buchpremieren).

Die Gemeinde gehört zu den Orten in der Niederlausitz, in denen jedes Jahr eine größere Anzahl von sorbischen/wendischen Kalendern und anderen sorbischen/wendischen Publikationen verkauft werden. Insgesamt kann man sagen, dass die Gemeinde ein gutes Beispiel dafür ist, wie über eine zielgerichtete Kulturarbeit die sorbische/wendische Sprache in die Öffentlichkeit getragen werden kann.

Kategorie 2: Randgebiet

1. Preis Stadt Drebkau

Preis: Tafel, Urkunde, 1.000 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

In der Hauptsatzung (§ 4 Abs. 1) hat sich die Stadt Drebkau zum angestammten sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet bekannt. Durch die historische und "Rand"-Situation in Drebkau bedingt, wurde die sorbische/wendische Sprache nur noch von sehr wenigen Bürgern angewendet. In der Öffentlichkeit und im Bewusstsein der Bürger war die sorbische/wendische Sprache und Kultur so weit verdrängt.

Überlebt haben einige Bräuche. Besondere Beachtung erfuhr aber das Johannisreiten im Ortsteil Casel; denn es hat sich über Jahrhunderte gehalten, und einige Elemente daraus stammen aus vorchristlicher Zeit. Das Heimatmuseum "Sorbische Webstube Drebkau" mit der umfangreichen und kostbaren Ostereiersammlung wurde von einer Privatperson initiiert und getragen. Das bewusste Suchen nach Identität hat die Stadt Drebkau zu den sorbischen/wendischen Wurzeln sorbischer/wendischer Sprache und Kultur geführt.

Ein großer Schritt der Stadtverordneten war der Beschluss, zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden zu gehören. Dies hatte die schrittweise zweisprachige Beschilderung verschiedener öffentlicher Einrichtungen bis hin zum Jugendclub, das Festlegen einer Beauftragten für sorbische/wendische Angelegenheiten bei der Stadt Drebkau und die Übernahme der Stiftung "Sorbische Webstube Drebkau" zur Folge. Die Vereine "Sorbische Webstube Drebkau" und "Johannisreiten Casel" sind inzwischen sehr aktive, zuverlässige Domowina-Mitglieder im RV NL e. V.

Ein aktiver Zuwachs für die Anwendung der sorbischen/wendischen Sprache ist der Sprachkurs der Stadtverordneten und "Sorbischer Webstube" als Hauskurs. In der Zeit der Aktion "Sprachenfreundliche Kommune" hat besonders Drebkau nach verschütteten Beispielen gesucht, um neue Wege zu finden, die sorbische/wendische Sprache noch besser und effektiver in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die wichtigsten sind:

  • die Wiederbelebung des Stollenreitens in Golschow
  • aus der Gemeinde Klein Oßnig stammende "Szepijang" für den Einstand der neuen Bürger zu nutzen oder auch für den Neujahrsempfang der Stadt Drebkau unter dem Namen "Psepijank"
  • Beteiligung der Museumsmitarbeiter an Veranstaltungen der LWŠ der sorbischen/wendischen Sprache und Kultur
  • Erläuterungen zu sorbischen/wendischen Ereignissen im Amtsblatt
  • Einführung von sorbischen/wendischen Alltagswörtern in der Kita

Hiermit gibt uns die Stadt Drebkau ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie auch in Randgebieten die sorbische/wendische Sprache und Kultur wiederbelebt und gefördert werden kann.

2. Preis: Stadt Spremberg/Grodk

Preis: Tafel, Urkunde, 750 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die Stadtverordnetenversammlung Spremberg hatte 1999 ihre Zugehörigkeit zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden erklärt und beschlossen, die sorbische/wendische Kultur und Sprache zu fördern, Kindern den Besuch des Sorbischunterrichts zu ermöglichen und schrittweise die zweisprachige Beschriftung durchzusetzen. Einiges ist seitdem auf diesem Gebiet passiert.

Die von der Stadt Spremberg eingereichten Unterlagen sind sehr umfangreich, bieten einen anschaulichen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten und verdeutlichen, dass das sorbische/wendische Bewusstsein in der Stadt nicht verloren gegangen ist. Damit hat die Stadt erneut ein gutes Beispiel dafür geschaffen, dass viele Menschen, Vereine und Jugendeinrichtungen sich seit Jahren für den Erhalt und die Pflege sorbischer/wendischer Kultur und Sprache engagieren.

Es wird besonders deutlich, dass die sorbischen/wendischen Traditionen intensiv und mit großer Zielstrebigkeit systematisch weitergeführt werden und Vereine, Abgeordnete, Schulen und die Stadtverwaltung ständig über neue Ideen, Projekte und gemeinsame Aktionen im Gespräch sind. Mit der Bildung des sorbischen/wendischen Beirates ist dafür ein Gremium geschaffen worden, das politische Meinungsbildung organisiert, Aktivitäten entwickelt, koordiniert und begleitet. Die Stadt Spremberg ist auch Heimstätte für Akzeptanz und Toleranz verschiedener Kulturen.

Einmal mehr unterstrich sie ihre Weltoffenheit als Gastgeberin der Internationalen Folklorelawine 2004 und bekräftigt das mit den jährlich stattfindenden multikulturellen Stadtfesten. Mit ihrer Öffentlichen Zweisprachigkeit setzt sie Zeichen für ein gewolltes Miteinander von Deutschen und Sorben/Wenden. Hervorzuheben ist dabei die Umsetzung der kompletten zweisprachigen Beschriftung des Rathauses sowie die umfangreiche Beschilderung der Ortstafeln und Straßennamen in der Stadt und in den Ortsteilen.

3. Preis: Ortsteil Horno/Rogow

Preis: gerahmte Urkunde, 500 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die Aktivitäten im neu entstandenen Ortsteil Horno zeigen, dass die Einwohner und ihre Vereine alles in Bewegung setzen, um auch in ihrer neuen Heimat die sorbische/wendische Sprache, Kultur und Identität zu pflegen und zu bewahren. Ebenso wie in den komplizierten und schweren Jahren, in denen sie um den Erhalt ihres Ortes gerungen haben, ist auch für sie das Sorbische/Wendische ein wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt der Ortsgemeinschaft.

Neben der zweisprachigen Beschriftung im „neuen" Horno werden auch weiterhin sorbische/wendische Traditionen (Zapust) gepflegt, sorbische/wendische Veranstaltungen durchgeführt (Herbstkonzert) und in einem Zirkel die sorbische/wendische Sprache gelernt.
Dabei geht es auch darum, die Eigenarten und Besonderheiten der sorbischen/wendischen Sprache und Kultur zu erhalten.

Obgleich sich die Stadt Forst, zu der Horno jetzt gehört, noch nicht zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet bekannt hat, unterstützt sie die Bemühungen der Hornoer auf sorbischem/wendischem Gebiet. Entscheidend aber ist der Wille der Hornoer selbst, den zweisprachigen Charakter zu erhalten.

Förderpreis

Ortsteil Proschim/Prožym

Preis: Urkunde, 500 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion

Die sorbische/wendische Sprache war seit vielen Jahren in Proschim aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Immer jedoch wurden sorbische/wendische Bräuche gepflegt sowie Orts- und Flurnamen im Sprachgebrauch angewendet.

Besonders nach Beschlussfassung der Gemeindevertretung der ehemaligen eigenständigen Gemeinde zum angestammten Siedlungsbebiet der Sorben/Wenden sind neue Ideen zur Förderung und Wiederbelebung sorbischer/wendischer Kultur und Sprache bewusst entwickelt und umgesetzt worden. Dabei unterstützen besonders der Landfrauenverband Proschim e. V., die Ländliche Erwachsenenbildung und der Verein „Traditionelle Landtechnik und bäuerlicher Lebensart" die Gemeinde bei ihren Bemühungen, der sorbischen/wendischen Kultur eine erhöhte öffentliche Präsenz zu geben.

So gehört es in Proschim inzwischen zur Selbstverständlichkeit, dörfliche Veranstaltungen mit sorbischen/wendischen Folkloregruppen und Ausstellungen und auch mit polnischen Beiträgen zu umrahmen, um allen Bürgerinnen und Bürgern den kulturellen Reichtum der Region näher zu bringen.

Die AG Dorf, Kohle und Umwelt Proschim organisiert jährlich eine Messe, auf der sich auch sorbische/wendische mittelständische Unternehmen und Handwerker präsentieren. Zum ersten Anlaufpunkt bei der Messe wurde die KRABAT-Ausstellung.

Die kommunalen Initiativen erfordern nach der Eingemeindung die Einbeziehung der Stadt Welzow und brachten bereits gemeinsame Bemühungen von Proschimern und Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung hinsichtlich des Bekenntnisses zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet voran. Durch die Aktion „Sprachenfreundliche Kommune" angeregt, ist gegenwärtig in Proschim ein Wendischsprachkurs begonnen worden.

Sonderpreis

Stadt Cottbus/Chosebuz

Preis: Tafel, Urkunde, 750 EUR, Stempel mit dem Logo der Aktion (diesen Preis stiftete der Landtagspräsident)

Die Stadt Cottbus ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die sorbische/wendische Sprache in der Öffentlichkeit vielseitig dargestellt, gepflegt und gefördert wird. Hier werden viele Möglichkeiten dafür genutzt. So gibt es z. B. in der Stadtverwaltung die zweisprachige Beschriftung, u. a. auch des Rathauses und des Stadthauses. Weitere öffentliche Gebäude sind sorbisch/wendisch beschriftet, z. B. die Schulen.

Für die öffentliche Darstellung der sorbischen/wendischen Sprache nutzt die Stadt auch ihre Internetseite, verschiedene Broschüren und auch die Vorbereitung zur 850-Jahr-Feier. Die Stadt nutzt immer wieder neue Möglichkeiten zum Erhalt, zur Pflege und zur Wiederbelebung der sorbischen Sprache, wobei sie durch die positive Haltung der Stadtverordnetenversammlung zu dieser Problematik Unterstützung findet.

Entsprechend ihrer Festlegungen in der Hauptsatzung verwirklicht die Stadt auch die freiwillige Aufgabe zur Pflege und Förderung der sorbischen/wendischen Sprache und Kultur und gibt damit als Oberzentrum wertvolle Impulse für die gesamte Niederlausitz. Sie arbeitet eng mit den sorbischen/wendischen Institutionen und Vereinen zusammen und nutzt deren Möglichkeiten. Dabei konzentriert sie sich nicht nur auf das ehemalige Stadtgebiet, sondern auch auf die einstigen zweisprachigen Gemeinden und Orte, die jetzt der Stadt angehören.

Die Stadt Cottbus hat fast alle Kriterien der Aktion „Sprachenfreundliche Kommune" erfüllt.

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