Landtagspräsidentin erinnert an Maueropfer: Jeder einzelne Fall eine Tragödie

Rede der Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke während der Gedenkveranstaltung in Hohen NeuendorfRede der Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke während der Gedenkveranstaltung in Hohen Neuendorf
Quelle: Landtag Brandenburg / Konstantin Gastmann
Hohen Neuendorf, 13. August 2021. Bei der Zentralen Gedenkveranstaltung des Landes Brandenburg zum Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren hat Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke an die Opfer erinnert. Aus den Geschehnissen an der innerdeutschen Grenze ergäben sich bleibende Verpflichtungen, sagte sie in der Gedenkrede: „Die Erinnerung an das Schicksal der Maueropfer ist eine moralische Pflicht und zugleich unser ureigenes Interesse. Die an der Mauer Getöteten wurden Opfer staatlicher Willkür. Sie starben, weil sie das Menschenrecht auf Freiheit und Freizügigkeit für sich in Anspruch nehmen wollten. Jede und jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte, seine Motive und Hoffnungen, hatte Fähigkeiten und Perspektiven, die jäh zerstört wurden durch den Tod an der Mauer. In jedem einzelnen Fall war und ist das eine Tragödie.“

Am frühen Morgen des 13. August 1961 hatte die DDR die Grenze zu den Westsektoren Berlins durch Mauer und Stacheldraht gesperrt. Millionen Familien und Freunde wurden voneinander getrennt. Mindestens 140 Menschen starben bis zum Fall der Mauer 1989 an den Grenzanlagen, die meisten wurden bei einem Fluchtversuch von DDR-Soldaten erschossen. Bei der Veranstaltung symbolisierten 140 leere Stühle, dass diese Menschen fehlen und bis heute Lücken hinterlassen. Während die Namen der Toten verlesen wurden, legten Abiturientinnen und Abiturienten aus Hohen Neuendorf Namensschilder auf die Stühle.

Die Landtagspräsidentin rief in der Hauptrede dazu auf, über Grenzen hinweg europäisch zu denken und keine Teilung zuzulassen, „nicht in Berlin, nicht in Ost und West, auch nicht in den Köpfen“. Das vom SED-Regime verantwortete Unrecht müsse weiter präsent gehalten und aufgearbeitet werden: „Wir dürfen nicht warten, bis die betroffenen Menschen wegsterben oder es aufgeben, für Gerechtigkeit einzutreten.“ Wichtig sei auch die Aufklärungsarbeit zur DDR-Geschichte in Forschungseinrichtungen und Dokumentationsstätten, weil sie dem Vergessen entgegenwirke. Nachfolgenden Generationen sei es so möglich, „das schwer Verständliche nachzuvollziehen und Lehren daraus zu ziehen“, sagte Prof. Dr. Ulrike Liedtke: „Das sind wir den Maueropfern schuldig, derer wir heute gedenken.“

Auf der gemeinsamen Veranstaltung des Landtages und der Landesregierung Brandenburg, der Aufarbeitungsbeauftragten Dr. Maria Nooke sowie der Stadt Hohen Neuendorf leitete Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke das Totengedenken ein: „Wir wollen uns so individuell an die Opfer der Mauer erinnern, wie sie es mit all ihren Hoffnungen, Wünschen und Ideen verdient haben. Wir trauern um den Verlust und wir nehmen die Verantwortung an, die sich aus ihrem Tod ergibt“, sagte er. An der Ehrung beteiligten sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Dieter Dombrowski, sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Anrainergemeinden und Bezirke.

Anschließend wurden in einer schlichten Zeremonie Kränze niedergelegt. Nach der offiziellen Veranstaltung erinnerten Filme und Gespräche mit Zeitzeugen an die deutsche Teilung.

Die Veranstaltung wurde live im RBB-Fernsehen übertragen. Eine Aufzeichnung steht künftig über den Youtube-Kanal des Landtages zur Verfügung.

„Jede und jeder Einzelne fehlt bis heute“ – Liedtke und Woidke erinnern zum 60. Jahrestag des Mauerbaus an die Opfer

Weitere Informationen und Impressionen zur Zentralen Gedenkveranstaltung des Landes Brandenburg zum Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren am 13.08.2021

Mindestens 140 Menschen starben bis zum Fall der Mauer 1989 an den Grenzanlagen. Bei der Veranstaltung symbolisierten 140 leere Stühle, dass diese Menschen fehlen und bis heute Lücken hinterlassen.Mindestens 140 Menschen starben bis zum Fall der Mauer 1989 an den Grenzanlagen. Bei der Veranstaltung symbolisierten 140 leere Stühle, dass diese Menschen fehlen und bis heute Lücken hinterlassen.
Quelle: Landtag Brandenburg / Konstantin Gastmann


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