Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung: Landtagspräsidentin mahnt Friedensarbeit und neue Strategien der Erinnerungskultur an

Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke hat bei Gedenkveranstaltungen in Potsdam zum 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte aufgerufen. Nach dem Glockengeläut der St. Nikolaikirche Potsdam erinnerte sie auf den Treppenstufen zur Kirche daran, dass es diese am Tag der Befreiung, am 8. Mai 1945, nicht mehr gegeben habe – die Nikolaikirche war zerstört. „Der Frieden – welches Wunder muss das gewesen sein für die Menschen, die 1945 die Befreiung erlebt haben“, sagte die Landtagspräsidentin und mahnte: „Aber der Frieden braucht unseren Schutz. Frieden bedeutet Verantwortung. Wir müssen Friedensarbeit leisten. Jeden Tag.“ Friedensarbeit schließe die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ein. Es gehe darum, sich über Quellen und Ursachen von Menschenverachtung und Faschismus zu verständigen. Es gelte, die Demokratie und die freie Gesellschaft „vor dem Gift faschistischer Ideologien und Rechtsextremismus“ zu schützen, betonte die Landtagspräsidentin.

Am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Potsdamer Bassinplatz fand am Nachmittag ein stilles Gedenken anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung statt. Die Landtagspräsidentin, Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam, Mike Schubert, legten Kränze nieder.

Vizepräsidentin Barbara Richstein nahm in Berlin am Sowjetischen Ehrenmal Tiergarten in Vertretung der Landtagspräsidentin an einer Kranzniederlegung der Botschaft der Ukraine anlässlich des 75. Jahrestages des Kriegsendes teil.

Der Landtag Brandenburg hatte am Vortag des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus in einer Gedenkfeier an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa erinnert. In ihrer Rede betonte die Landtagspräsidentin, dass das Wachhalten der Erinnerung „etwas Unverzichtbares für die Zukunft unserer freien Gesellschaft“ sei. Es dürfe nicht in Vergessenheit geraten, „dass wir die Freiheit und die Demokratie nur mit unseren Nachbarn und Partnern in Europa wiedergewinnen konnten“.

Die Landtagspräsidentin sprach sich für neue Strategien der Erinnerungskultur aus. Mit Geschichtsorten wie den Seelower Höhen, Halbe, Kienitz, Sachsenhausen, Ravensbrück oder dem Belower Wald komme in Brandenburg dialogischer Bildungsarbeit eine besondere Verantwortung zu. Es brauche eine integrative und europäische, friedensfördernde Erinnerungskultur, die alle einbeziehe und auch heutige Kriegsorte, Flucht- und Gewalterfahrung berücksichtige. „Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist für ein tiefgründiges und differenziertes Verständnis alarmierender Tendenzen in unserer Gegenwart fundamental“, sagte sie.

Das geplante Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung mit Schostakowitschs Leningrader Sinfonie auf den Seelower Höhen soll noch in diesem Jahr nachgeholt werden.


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