Historie annehmen, Haltung entwickeln, Handeln: Junge Stimmen zum Gedenken am 8. Mai im Landtag

Was der „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa“ jungen Brandenburgerinnen und Brandenburgern bedeutet, stand im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkstunde zum 8. Mai im Landtag, die von Parlamentspräsidentin Britta Stark eröffnet und den „Young Voices Brandenburg“ musikalisch umrahmt wurde.

„Wir dürfen nie vergessen, wohin eine Anschauung der Welt führen kann, die sich über andere Menschen erhebt – ganz gleich ob wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung oder weil sie mit einer Behinderung leben“,  sagte Britta Stark. „Wir müssen wachsam sein gegenüber Vorurteilen und Ideologien, die Menschen ausgrenzen und einfache Lösungen anbieten für Menschheitsfragen.“

Die Antwort auf das „Nie wieder“ setze einen schöpferischen Umgang mit der Vergangenheit und eine aufbauende lernende Erinnerung voraus, so Stark weiter. Deshalb sei die geschichtlich-politische Bildung von jungen Menschen so wichtig. „Wenn Jugendliche Fragen stellen und Geschichte erforschen, entwickeln sie Haltungen und leiten Handlungsimpulse ab. Erinnerung und Gedenken haben gestalterische Kraft.“

Der stellvertretende Ministerpräsident Christian Görke erinnerte in seiner Rede an diejenigen erinnert, die in den Jahren der Naziherrschaft ihr Leben lassen mussten. Gleichzeitig mahnte er: „Mit Blick auf die Menschheitsverbrechen, die in deutschem Namen begangen wurden, ist es unsere Pflicht, konsequent, mit Worten und Taten, den gefährlichen Flächenbrand des Rechtspopulismus zu bekämpfen. Antisemitismus in jedweder Erscheinungsform, Intoleranz, Diskriminierung und Rassenhass – all das sind schleichende Gifte, die die Grundlage eines friedlichen Miteinanders und damit unseren demokratischen Rechtsstaat zerstören. Der Appell "Nie wieder!" mag noch so alt sein, er ist so aktuell und wichtig wie vielleicht seit dem Kriegsende nicht mehr.“

Abgeordnete aus den Fraktionen sowie geladene Gäste, darunter Jugendliche, die sich im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge engagieren, folgten der anschließenden Podiumsdiskussion von sechs jungen Erwachsenen des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Oranienburg. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher debattierten miteinander, wie sie mit diesem geschichtlichen Erbe umgehen und schlugen auch einen Bogen von den Fluchtberichten aus dem Zweiten Weltkrieg zu ihren aktuellen Erfahrungen, die sie u. a. in Praktika mit Geflüchteten machten. Im Rahmen ihrer Ausbildung werden sie 2019 an einem Austausch mit der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilnehmen. Seit mehreren Jahren bereits beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums mit den Verbrechen und den Folgen des Nationalsozialismus und setzen ihre Erkenntnisse in szenischen Bühnenstücken, Lesungen und Ausstellungen um.

Hintergrund:

Im Jahr 2015 hat der Landtag den Beschluss gefasst, den 8. Mai als Gedenktag in das Brandenburger Feiertagsgesetz aufzunehmen. 2016 fand aus diesem Anlass erstmalig eine Gedenkveranstaltung im Landtag statt. 2017, als sich der „Himmler-Erlass“ über die Deportation der Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zum 75. Mal jährte, stand die Erinnerung an die 500.000 ermordeten Sinti und Roma im Mittelpunkt der Gedenkstunde im Landtag.

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