Archäologisches Fenster

Der Brandenburger Landtag steht auf geschichtsträchtigem Boden. Archäologinnen und Archäologen haben vor Baubeginn die Zeugnisse der Vergangenheit auf dem Landtagsgrundstück freigelegt und wissenschaftlich dokumentiert. Spuren aus mehr als fünf Jahrtausenden sind dabei entdeckt worden.

An der Stelle des Landtagsgebäudes stand bis 1959/60 das Potsdamer Stadtschloss, in und unter dessen Mauern, Fundamenten und Fußböden auch Zeugnisse von älteren Burgen und Schlossbauten zutage kamen. Um diese nicht zu zerstören, ist der Südflügel des Landtages auf Pfählen gegründet und der Fußboden über den historischen Mauern gespannt. Zusammen mit einer noch nicht archäologisch untersuchten Fläche im Innenhof sind so auf ca. 3 000 Quadratmetern Fläche archäologische Befunde im Boden verblieben, die damit künftigen Generationen für die Forschung zur Verfügung stehen.

Ein „Archäologisches Fenster“ im Pressekonferenzraum unmittelbar hinter dem Landtagsfoyer ermöglicht einen direkten Blick in die Vergangenheit. Zu sehen ist ein Ausschnitt aus einem großen, mit Gewölben versehenen Keller des Stadtschlosses. Er wurde als Teil des kurfürstlichen Schlosses in den 60er-Jahren des 17. Jahrhunderts erbaut. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der „Große Kurfürst“, hatte 1660 das Amt Potsdam zurück erworben und in den folgenden Jahren den Architekten Johann Gregor Memhardt mit dem Neubau eines Schlosses nach holländischem Vorbild beauftragt.

Der eindrucksvolle Gewölberaum im Sockelgeschoss des Südflügels war mit ca. 18 x 22 Metern annähernd genauso groß wie der unmittelbar darüber liegende repräsentativste Raum des Schlosses, der Marmorsaal. Der Fußboden ist mit Platten aus Kalkstein belegt, die von der schwedischen Ostseeinsel Öland stammen. Der profilierte Sockel aus Ziegelsteinen trug eine der acht großen Säulen, auf denen das Deckengewölbe des Kellers auflag. Die schmalen Streifen aus Ziegelmauerwerk sind die Spuren später eingezogener Zwischenwände.

Der repräsentative stuckverzierte Raum besaß einen ebenerdigen Ausgang unter der Kutschenauffahrt zum Lustgarten. In den Sommermonaten diente das kühle Gewölbe auch als Speisesaal. Verstorbene Mitglieder der kurfürstlichen Familie, so auch 1688 der Große Kurfürst und ein Jahr später seine Frau Kurfürstin Dorothea, wurden hier feierlich aufgebahrt.

1726 erhielt der Raum unter Friedrich Wilhelm I. („Soldatenkönig“) eine neue Funktion und wurde zum Weinkeller. Er blieb mit Ausnahme einiger später eingezogener Zwischenwände bis zum Abriss des Stadtschlosses in seiner Baustruktur erhalten. Nach der Bombardierung Potsdams am 14. April 1945 und der dadurch verursachten Zerstörung des Schlosses war er noch so weit intakt, dass Anfang der 1950er-Jahre Schulkinder zum Mittagessen in den Schlosskeller kamen.

Das Archäologische Fenster kann im Rahmen von Führungen durch das Landtagsgebäude besichtigt werden. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Besucherdienst des Landtages unter besucherdienst@landtag.brandenburg.de, Tel: (0331) 966-1253/-1255.